Kann ein Pflegekollaps vermieden werden?

doctor-563428_640Am 23.Januar 2014 hat der erste deutsche Pflegetag in Berlin stattgefunden. Dort sollte oder besser wurde von den Experten darüber diskutiert, wie die Pflegekräfte entlastet werden können und wie man die Ausbildungssituation verbessern kann. Jedoch war den Experten eines bereits im Vorfeld klar: Auch wenn neue Pflegemodelle geschaffen werden, eine finanzielle Entlastung der Pflegebedürftigen wird es nicht geben.

Vor einem großen und finanziellen Problem sowie vor Schwierigkeiten auf personeller Ebene steht das Deutsche Pflegesystem aufgrund einer immer älter werdenden Bevölkerung und einer stets wachsenden Anzahl von Demenzerkrankten. Aufgrund dessen haben sich die Pflegeexperten zusammengefunden, um diese Probleme konkret zu diskutieren. Dieser deutsche Pflegetag in Berlin war der erste seiner Art in Deutschland und wurde organisiert von dem Deutschen Pflegerat, der Springer Medizin, dem AOK Bundesverband sowie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und dem GKV-Spitzenverband. Der Pflegetag wurde eröffnet von Herman Gröhe (Bundesgesundheitsminister).

Der Pflegenotstand

Ein Thema des Pflegetages war der Pflegenotstand. Bereits im Jahr 2012 wurde durch die Bertelmann-Stiftung berechnet, dass 2030 rund 500.000 Pflegekräfte zu wenig zur Verfügung stehen. Die Zahl der Pflegekräfte ist ein großes Problem. So wurden von dem GKV-Spitzenverband im Vorfeld zum Ersten Deutschen Pflegetag die verschiedensten neuen Pflegekonzepte untersucht, um diese dort vorzustellen. „Leben und Wohnen mit Familienanschluss“ kurz LEFA ist ein Konzept, welches vorsieht, Pflegebedürftige in speziell geschulten Gastfamilien unterzubringen und das bevorzugter Weise im ländlichen Raum.

Die Pflegekosten werden nicht sinken

Viel zu wenige Pflegekräfte kümmern sich um die Pflegebedürftigen und das hat zur Folge das diese Menschen nicht optimal versorgt werden können. Dazu kommen dann auch noch die Pflegekosten, die viele der Pflegebedürftigen nicht allein aufbringen können, denn ein Platz in einem Pflegeheim kostet mehr als 3.200 Euro monatlich in der Pflegestufe III, wovon die gesetzliche Pflegeversicherung nur 1.500 Euro übernimmt. Die Differenz von 1.700 Euro muss der Pflegebedürftige selbst aus eigener Tasche übernehmen. Das heißt von seiner Rente oder seinem Ersparten beispielsweise bezahlen.

Wenn die Einkünfte oder das Vermögen nicht ausreicht, dann können sogar die Kinder dazu herangezogen sind, die Differenz auszugleichen. Doch eines ist sicher, auch eine neue Pflegereform wird an dieser Situation nichts ändern, denn von Beginn an war die GKV nur als eine Hilfestellung gedacht, wenn es um die Bezahlung von Pflegekosten geht. Wer nicht Gefahr laufen will, in ein finanzielles Disaster zu fallen aufgrund der Pflegekosten, der sollte auf eine private Pflegezusatzversicherung setzen.

Ist eine umfassende Pflegereform möglich?

Neu definiert werden soll der Begriff „Pflegebedürftigkeit“ das hat die Große Koalition bereits in ihrem Koalitionsvertrag vorgesehen sowie einiges mehr. So sollen laut dem Vertrag neue Pflegestufen entstehen und auch die „Demenz“ soll mehr Beachtung finden. Dennoch kann nur abgewartet werden ob die noch recht frische neue Große Koalition sich in den nächsten vier Jahren an eine neue und umfassende Pflegereform wagt. Die Pflege-Bahr, die zu Beginn 2013 eingeführt wurde, brachte viele gemischte Gefühle mit sich. Aber dennoch kommt die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung bei den Verbrauchern recht gut an, auch wenn diese von der Stiftung Warentest heftigst kritisiert wurde. Der Grund: Die Pflege-Bahr sei nicht empfehlenswert, da sie viel zu teuer wäre im Vergleich zu den Tarifen, die nicht staatlich gefördert werden.